Schulanfang und Pausenbrot

Kindern im Schulalltag gesundes Essen nahebringen

Vollkornbrot mit einem Gesicht aus Gemüse

Hurra, erster Schultag!

Nicht nur die Erstklässler, auch die Eltern sind aufgeregt, denn mit dem Start in diese neue Lebensphase muss der Tagesablauf der Familie in der Regel neu organisiert werden: die Gestaltung der Mahlzeiten, das Schulfrühstück, die Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung – so rückt das Thema „gesunde Ernährung“ in dieser Phase wieder stärker in den Blickpunkt. „Gerade im Bemühen, dem Nachwuchs gesundes Essen nahezubringen, kann einiges schief laufen“, sagt Privatdozent Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie (IFE) der Universitätsmedizin Göttingen. „Gesund“ und „Ernährung“ – das sind Begriffe, die laut Ellrott in der Kommunikation mit Kindern kontraproduktiv sind. „Meist sind das Motive, die Eltern, Lehrer und Erzieher antreiben. Bei den Kindern lösen sie eher Widerstände aus – im Sinne der wiederholt gemachten Erfahrung ‚Schmeckt mir nicht und ich muss das trotzdem essen!’ Die Kinder verbinden mit ‚gesund’ Zwang und Bevormundung.“ Besser sei es, sie über den guten Geschmack zu motivieren. „Nicht immer erklären, sondern die Kinder teilhaben und erleben lassen, was gut und gesund essen bedeutet, es einfach vorleben: ‚Mhh, schmeckt das frisch und lecker – kommt bestimmt direkt aus dem Garten!’ Manchmal funktioniert es auch mit Verknappung: ‚Das möchtest Du nicht? Genial – gib mir das mal!’ Essen soll gut tun, Spaß machen und Lust wecken am Auswählen, Schmecken und Entdecken!“

Eltern als Vorbilder

„Kinder orientieren sich vom Kleinkind- bis ins Jugendalter stark an ihren Eltern. Das gilt natürlich auch für ihr Essverhalten“, so Ellrott. Sie registrieren sehr genau, ob ihre Eltern den als besonders gut und lecker angepriesenen Brokkoli selbst auf dem Teller haben und genießen. Natürlich werden sie misstrauisch, wenn sich die Eltern beim Essen ein Glas Cola einschenken und den Kindern sagen, dass das eigentlich nicht gut sei. Die einfache Zauberformel: gut essen vorleben, authentisch sein!


Gemeinsam frühstücken…

… ist für die frischgebackenen Schulkinder der beste Start in einen neuen aufregenden Schultag. Morgens zum Beispiel Müsli, Haferflocken, Cerealien mit etwas Obst und Milch – diese Auswahl biete relativ stressfrei schon einigen Spielraum und eine gute Chance, dass sich Eltern und Kinder aufs Frühstück freuen! „Ideal wäre es zudem, wenn wenigstens ein Elternteil mit dem Kind frühstücken oder ihm Gesellschaft leisten könnte.“ Nicht jede Mahlzeit müsse umfassend und perfekt sein, betont der Ernährungspsychologe, „die Güte des Essens lässt sich nicht über einzelne Lebensmittel oder Mahlzeiten, sondern nur über einen längeren Zeitraum bewerten.“


… und für die Pause?

Natürlich sei es von Vorteil, Kinder in die Gestaltung des Pausenbrots einzubeziehen und sie nach ihren Wünschen zu fragen. „Aber nicht immer“, so Ellrott, „damit sie auch die Chance bekommen, mal etwas Neues kennenzulernen.
Wenn das beim ersten Mal nicht geschmeckt hat, kein Drama daraus machen: ‚Ich habe gedacht, das könntest Du auch toll finden!’ Das hat dann eben auf Anhieb nicht funktioniert. Kinder müssen Neues meist mehrfach probieren, bevor sie es mögen.“


Mittagsverpflegung: Wir arbeiten dran!

Mittagessen in Schule oder Betreuung? „Hilfreich ist natürlich, wenn gutes Essen angeboten wird. Zurzeit haben wir allerdings noch die Situation, dass viele Schulen mehr oder weniger in die Mittagsverpflegung hineingepurzelt sind und verständlicherweise nicht sofort in jeder Hinsicht optimale Lösungen anbieten können.“ An den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientiert, könnte das Mittagessen in der Schule Stück für Stück verbessert werden. „Wichtig wäre, dass die Schulleitung Eltern und Kindern ermöglicht, ihre Wünsche und Ideen miteinzubringen. Schulverpflegung ist immer ein Kompromiss, der für möglichst viele Schüler interessant sein sollte. So muss in der Speiseplangestaltung auch mal Raum sein für ein Lustessen à la Currywurst mit Pommes.“

Abendessen: am liebsten alle zusammen!

Super, wenn sich das in Sachen Vorbildfunktion der Eltern wochentags gemeinsam möglich machen lässt. Was macht man aber, wenn gerade dann am Essen gemäkelt wird? „Nicht immer gleich darauf reagieren“, empfiehlt Ellrott. Kinder benutzten Essen gerne mal dazu, sich in den Mittelpunkt zu rücken. Das könne sich so äußern, dass sie plötzlich nur noch einen bestimmten Brotbelag essen oder Saftschorle nur noch „ohne Prickeln“ (Kohlensäure) trinken. Sie starteten damit erst einmal einen Versuchsballon. Wird dann besonders auf das Kind eingegangen – vielleicht auch noch vor Geschwistern, Oma, Freunden – könne sich dieses Verhalten schnell als „Besonderheit“ festigen.


Endlich Wochenende!

Wann – außer vielleicht in den Ferien – bietet sich eine bessere Möglichkeit als am Wochenende, gutes Essen erlebbar zu machen, anstatt darüber zu reden?! Gemeinsam überlegen, was zubereitet werden soll, einkaufen gehen, über den Markt schlendern, schauen, riechen, schmecken. „Es gibt viele Gerichte, bei denen Sechsjährige schon super mithelfen können: Dips rühren, bunte Gemüsespieße für den Grill zusammenstellen, sich einen eigenen Spezial-Wrap rollen. Das alles schmeckt dann natürlich superklasse!“ Irgendwie logisch.

Neben der Rezeptauswahl oben finden Sie hier noch weitere Tipps für ein gesundes Frühstück und leckere Pausenbrote:

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