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und wie tegut... dazu steht
Spricht man von Gentechnik oder gentechnischen Verfahren, so ist es sinnvoll, zunächst deren Erscheinungsformen d.h. zwischen roter, weißer und grüner Gentechnik unterscheiden.
Der gravierende Unterschied: Während die rote und weiße Gentechnik sozusagen im geschlossenen System Anwendung finden, werden bei der grünen Gentechnik neu konstruierte Organismen in die Natur frei gesetzt
Dabei ist der Begriff „Freisetzung“ bezeichnend. Freigesetzte Organismen sind nicht rückholbar. Die Konsequenzen sind nicht mit einer Erdölkatastrophe oder dem Austritt chemischer Komponenten vergleichbar, bei denen sich die schädigenden Stoffe verdünnen und über mehr oder weniger lange Zeiträume abbauen. Bei lebenden Organismen muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass sie ihre genetische Information in der Natur auskreuzen und vervielfältigen.
tegut… fördert bewusst die traditionelle Landwirtschaft, die auf gentechnische Verfahren verzichtet und ist gegen die Ausbringung von gentechnische veränderten Organismen in die Natur. Dies hat im Wesentlichen folgende Gründe:
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen fördert in der Regel den großflächigen Einsatz einzelner Sorten in Kombination mit dem Einsatz einiger weniger Herbizide. Die absehbare Resistenzbildung bei Unkräutern ist inzwischen zu einem großen Problem geworden die mittel- und langfristig zu einem weit höheren Einsatz von Pflanzenschutzmittel führt als während der ersten Jahre eingespart werden konnte. Außerdem verarmt sowohl das angebaute Sortenspektrum als auch die Begleitflora. Diese „Erosion“ der biologischen Vielfalt macht die Agrar-Ökosysteme empfindlicher gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Einflüssen der Witterung.
Die weitaus häufigste Anwendung der Grünen Gentechnik ist die Toleranz gegen Pflanzenschutzmittel. Die Sorte ist so manipuliert, dass sie zusammen mit einem bestimmten Pflanzenschutzmittel angewendet werden muss. Das ist von Vorteil für die Firmen, die diesen „Doppelpack“ liefern, dem Landwirt aber nimmt es Handlungsspielraum.
Im Schlepptau der Grünen Gentechnik wurde das Patentrecht auch auf Pflanzen ausgeweitet. Mit den Rechtskonflikten um die genetischen Ressourcen und deren Nutzung boomt der neue Berufszweig von Patentanwälten. Die Kosten des Saatgutes verteuern sich durch Lizenzgebühren – ein Nachbau und damit auch die Möglichkeit der Anpassung von Sorten an die Bedingungen des Betriebes wird ganz unmöglich. Erzwungener Neukauf von Saatgut Jahr um Jahr in Verbindung mit bestimmten Pflanzenschutzmitteln und Lizenzgebühren mehren den Gewinn der Firmen – und bringen die Landwirte in ein höheres Maß an Abhängigkeit. Insgesamt wird ihnen und den Verbrauchern mit der Freisetzung gentechnisch manipulierter Pflanzen die Wahlmöglichkeit genommen, denn Auskreuzungen sind dann nur eine Frage der Zeit; die „Koexistenz“ einer Landwirtschaft ohne Gentechnik neben einer, die gentechnisch manipulierte Pflanzen anbaut wäre auf längere Sicht eine Illusion.
Die Gentechnik leistet zur Ernährungssicherung im südlichen Ländern keinen wesentlichen Beitrag, das räumen inzwischen auch ihre Befürworter ein. Oder ihr Beitrag ist negativ, wo sie in landwirtschaftlich günstigen Gebieten die Intensivierung des Anbaus vorantreibt, der auf einem Energieinput in Form von Düngern und Pflanzenschutzmittel basiert und sich die Flächen auf wenige Besitzer konzentrieren. Auch der jüngste Weltagrarbericht äußert sich kritisch gegenüber der Grünen Gentechnik und spricht sich für die Förderung einer bäuerlichen Landwirtschaft aus, die weniger auf Energie und Kapitalinput als auf der Arbeit vieler und traditionelle Verfahren baut, die auch auf lokal angepassten, bewährten und nachbaufähigen Sorten beruht. Dies sollte verstärkt durch Forschung begleitet und gefördert werden anstatt die Mittel in Technologien fließen zu lassen, die ihren Nutzen nicht beweisen konnten und die Konzentration von Firmen und die Polarisierung der Menschen verstärken. Ein größerer Beitrag zur Ernährungssicherung ist zu erwarten, wenn viele Menschen Zugang zu Ressourcen wie Boden, Wasser, Saatgut erhalten und dem Wissen, diese nachhaltig zu nutzen.
Alle zentralen kritischen Einwände bei den ersten Schritten zur Einführung der Grünen Gentechnik erwiesen inzwischen ihre Berechtigung: Die Auskreuzung wird nicht mehr angezweifelt. Gravierende Probleme mit Pflanzenschutzmittel toleranten Unkräutern sind Realität und gesteigerter Einsatz von Agrarchemie die Konsequenz. Immer mehr Fütterungsversuche nähren die Zweifel, dass gentechnisch veränderte Futtermittel eben nicht „substantiell gleich“ sind wie nicht manipulierte und negative Auswirkungen haben. Eine objektive Erforschung der Risiken der Genmanipulationen steht immer noch am Anfang. Und die Haftung ist nicht geklärt: Wenn sich Probleme abzeichnen – wer wird Haftung und Kosten dafür tragen?
Solange die Risiken nicht wissenschaftlich und unabhängig erforscht werden und nur in Form einzelner kurzfristiger toxikologischer oder allergener Risikobeurteilung vorliegen, ist der Einsatz der Gentechnik in Lebensmitteln und damit auf den Feldern nicht zu verantworten.
Bernadette Holler-Glissner
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