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Wolfgang Gutberlet
tegut..., Gerloser Weg 72,
36039 Fulda oder
per E-Mail unter: guteLebensmittel@tegut.com
ÜBER UNS
Wie kommen wir zu einem guten Handeln?

Aller guten Dinge sind drei. Nachdem wir in den Mai- und Juni-Ausgaben des marktplatz die gesundheitliche Wirkung eines wahrhaftigen Denkraums und eines schönen Beziehungsraums betrachtet haben, geht es jetzt um den Initiativraum, die Frage: Wie kommen wir zu einem guten Handeln?

Sprechen wir heute von Bildung geht es immer ums Wissen. Den Begriff der „Willens-bildung“ gebrauchen wir nur noch, wenn uns deren Fehlen allzu deutlich vorgeführt wird, und das für uns eventuell unmittelbar gefährdend werden kann. Das Wort „Herzens-bildung“ erscheint sogar schon antiquiert. Vernachlässigen wir nicht die geübte Willensbildung als Herausforderung in allen Lebenslagen?

Dabei ist doch offensichtlich die erste Lebensphase des Kindes ganz der willentlichen Ergreifung und Durchdringung des Leibes bis zum Stehen und Gehen gewidmet. Auch der alte Mensch, dem jede Bewegung schwer wird, ist gefordert, mit eisernem Willen die Gebrechlichkeit immer wieder zu überwinden. Und dazwischen ist das ganze Leben eigentlich Willensübung. Und je freiwilliger sie geschieht, desto wertvoller ist sie. Heute – weil wir es eilig haben – neigen wir leicht dazu, mit Druck, Angst, Strafen oder Ausgrenzung zu arbeiten, um Handeln zu manipulieren bis hin zu erzwingen. Damit erreichen wir aber keine Entfaltung von Initiativkraft.

Viktor E. Frankl (1905-1997, Wiener Neurologe und Psychiater) hat darauf hingewiesen, wie wichtig die Ausbildung des freien Willens für den Menschen ist: „Weder sagt dem Menschen, wie dem Tier, ein Instinkt, was er muss, noch sagen ihm heute Traditionen, was er soll, und es ist zu befürchten, dass er eines Tages nicht mehr wissen wird, was er will. Nur um so mehr wird er dann entweder wollen, was andere tun, oder tun, was andere wollen.“

Wie entgehen wir der Gefahr des Ziellosen und des Mitlaufens? Denn etwas tun, heißt noch nicht initiativ sein. Das Tun kann aus der Triebhaftigkeit und Gewohnheit geboren sein. Dagegen gibt es ein sehr initiatives Nichtstun, z.B. die Meditation oder richtiges Hören oder Betrachten.
Meine Initiative stärke ich, wenn ich erst denke und dann handele. So wird es ein besonnenes Handeln. Dem entgegen steht die geläufige Forderung, eine Gelegenheit forsch zu ergreifen. Das widerspricht sich nicht. Denn um eine Gelegenheit ergreifen zu können, muss ich sie als eine solche erkannt haben. Wie viele Menschen gehen an ihren Gelegenheiten vorbei, weil sie den Blick dafür vorher nicht denkend geschärft und nicht geforscht haben. Ich erkenne eben nur, was ich innerlich schon kenne. So kann die Initiativkraft ihren Ursprung in dem Erwärmen für ein erkanntes, eigenes Ziel haben, bis ich den Mut zum Handeln finde. Sie kann aber auch in der Einsicht in die Notwendigkeit gründen, eine mir gestellte Aufgabe freiwillig zu übernehmen. Den Mut zu dieser im Leben oft dienerischen Initiative hat mein Vater mit dem Spruch: „Jung mach’s gern, machen musst Du’s doch!“ zu stärken versucht.

Denk-, Beziehungs- und Initiativraum – jeder muss einzeln ausgebildet und gefördert werden. Deren notwendiges Zusammenwirken würden musische Menschen vielleicht als Dreiklang beschreiben, bei dem alle Töne zu hören sein müssen. Mehr mathematisch orientierte Menschen würden vielleicht an die Regel erinnern, dass ein Produkt immer null ist, wenn nur ein Faktor null ist.
Es stärkt uns am meisten, wenn wir das Schwächste an uns stärken.

Ein gutes Leben wünscht Ihnen Ihr
Wolfgang Gutberlet

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