Das kulinarische Weltkulturerbe der UNESCO

Kulinarisch unterwegs

Was haben Bier, Tacos und Pizza gemeinsam? Sie gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Eine Reise durch die Küchen der Welt.

Neapolitanisches Pizzahandwerk
Das Wissen um das neapolitanische Pizzahandwerk wird seit dem 16. Jahrhundert von Generation zu Generation weitergegeben. | Foto: Getty Images

Zum Weltkulturerbe der Menschheit gehören prachtvolle Denkmäler, großartige Bauwerke und monumentale Stätten – sowie seit einigen Jahren belgisches Bier und neapolitanische Pizza. Ja, richtig gelesen. Denn als schützenswertes Erbe der Menschheit führen die Vereinten Nationen seit 2008 in einer eigenen Liste auch besondere Bräuche, einmalige Handwerkskunst und außergewöhnliche Essenstraditionen und Speisen im UNESCO-Weltkulturerbe auf.

„Immaterielles Kulturerbe“ nennt die UNESCO diese Erfahrungsschätze, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Es sind althergebrachte Fähigkeiten, die die Identitäten von Regionen oder sogar ganzen Ländern prägen.

Für die Aufnahme in diese Liste ist es laut der Deutschen UNESCO-Kommission ausschlaggebend, dass eine kulturelle Tradition „nachweisbar lebendig und für die Trägergemeinschaft identitätsstiftend“ ist. In kulinarischer Hinsicht entsteht so nach und nach eine Weltreise zu unverwechselbaren gastronomischen Genüssen – von regionalen Spezialitäten bis zu nationalen Koch-Kunstwerken. Hier sind vier Stationen dieser kulinarischen Weltreise

Weltkulturerbe Mexikanische Küche

Kaum eine Landesküche ist so vielseitig und von so unterschiedlichen Einflüssen geprägt wie die Mexikos. Deswegen war es nur konsequent, dass die UNESCO sie 2010 auf die Liste des immateriellen Welterbes setzte. Dabei spielte der hohe Stellenwert des Essens in der mexikanischen Gesellschaft genauso eine Rolle wie uralte Anbau- und Kochtechniken und rituelle Bräuche bei der Zubereitung.

In Mexikos Küche vereinen sich präkolumbianische, spanische, französische, arabische und karibische Traditionen. Die wichtigsten Zutaten sind Mais, Bohnen, Chilis und Früchte.

Wobei: DIE mexikanische Küche gibt es eigentlich gar nicht – schließlich haben alle Regionen Spezialitäten, die sich stark voneinander unterscheiden. Chili con Carne und Nachos sind allerdings entgegen weitverbreiteter Ansicht keine Klassiker in mexikanischen Restaurants. Beide Gerichte werden der sogenannten Texmex-Küche aus Texas zugeordnet.

Mexikanische Küche
Farb- und geschmacksintensiv: Die traditionelle mexikanische Ku?che ist abwechslungsreich, beliebt und seit 2010 offiziell schu?tzenswert. | Foto: Stocksy

Mexiko: Kleines Küchen-ABC

Wie unterscheiden sich Tacos, Fajitas und Co.?   

  • Burritos sind gerollte Weizentortillas, die fertig gefüllt serviert werden.  
  • Chimichangas aus der Texmex-Küche sind frittierte Burritos  
  • Enchiladas werden gefüllt und gerollt mit Sauce und Käse überbacken.  
  • Fajitas aus der Texmex-Küche werden am Tisch selbst gefüllt und gerollt.
  • Tacos sind knusprige, harte Maistortillas, fertig gefaltet und dann gefüllt.

Weltkulturerbe Französische Küche

Als Frankreich sich Anfang 2008 mit der „Cuisine française“ bei den Vereinten Nationen um die Anerkennung als immaterielles Welterbe bewarb, stand der Ausgang für den Staatspräsidenten schon vorher fest. „Wir haben die beste Küche der Welt“, stellte Nicolas Sarkozy mit dem unbescheidenen Selbstbewusstsein der Grande Nation fest.

Unterstützt wurde die Kampagne von weltweit bekannten Starköchen wie Paul Bocuse. Und tatsächlich: Ratatouille, Rotwein und Boeuf Bourguignon überzeugten auch die UNESCO. Zur Begründung hieß es, die Kunst des guten Kochens sei in Frankreich die gebräuchlichste Art, die „wichtigsten Momente im Leben zu feiern“.

In den Zeiten von Fertiggerichten und Fast Food sei es wichtig, gutes Essen und Trinken mit Vorspeise, Hauptgericht, Dessert, Käse und Kaffee zu zelebrieren. Passenderweise ist Frankreich auch weltweit das Land mit den meisten Sterneköchen – 30 Dreisternerestaurants gibt es derzeit dort, davon alleine zehn in der Hauptstadt Paris (das sind so viele wie in Deutschland insgesamt).

Austern
Die besten Austern der Welt soll es in der Bretagne geben. Sie werden oft pur aus der Schale genossen – ohne Beilagen. Wer sie verfeinern möchte, greift zu einem Spritzer Zitronensaft, einem Schuss Rotweinessig und etwas Pfeffer. | Foto: Stocksy

Belgische Biere

Im November 2016 erfuhr die belgische Bierkultur ihre größte Ehrung: Die Geschichte des Bierbrauens in unserem Nachbarland reicht zurück bis zu den Klöstern im Mittelalter, wo Trappistenmönche Gerstensaft von legendärem Ruf brauten.

Von den heute noch bestehenden elf Trappistenklöstern weltweit liegen sechs in Belgien. Von dem Bier aus der Abtei Westvleteren in Flandern heißt es oft, es sei das beste der Welt. Insgesamt gibt es 1.500 unterschiedliche Biersorten in Belgien. Auch wenn ein Großteil des Biers in Belgien heutzutage mit modernen Methoden hergestellt wird, befand die UNESCO, die Wertschätzung des Getränks gehöre in Belgien zum lebendigen Erbe vieler Gemeinschaften und spiele im Alltag und bei Festen eine wichtige Rolle.

So gibt es in Belgien für fast jede der zahlreichen Biermarken ein eigenes Glas, dank zahlloser kleiner und kleinster Brauereien im Land gibt es eine nahezu unüberschaubare Vielfalt an Aromen, Farben und Geschmäckern in Belgiens Bierkultur.

Neapolitanische Pizza

Italiens Minister für Landwirtschaft und Ernährung Maurizio Martina brachte es mit einem Wort auf den Punkt: „Vittoria!“, Sieg, postete er im Dezember 2017 auf Twitter. Damit war offiziell, was für Neapolitaner immer schon festgestanden hatte: Die Pizza aus ihrer Stadt ist die großartigste der Welt.

Die UNESCO hatte gerade die „Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers“ zum Weltkulturerbe deklariert. Die UNESCO begründete die Entscheidung so: Es sei unbestreitbar, dass das gastronomische Wissen des neapolitanischen Pizzabackens als Kulturerbe zu gelten habe.

Das Backen sei ein Ritual, die Bäcker, die Pizzaiolo, würden sich dabei wie auf einer Bühne bewegen. Doch was macht eigentlich die Pizza aus der süditalienischen Hafenstadt so einzigartig? Der italienische „Verein zum Schutz der wahrhaftigen neapolitanischen Pizza“ hat in einem zehnseitigen Dokument strenge Regeln aufgestellt: Nur die Marinara (Tomaten, Öl, Oregano, Knoblauch) und die Margherita (Tomaten, Öl, Mozzarella oder Fior di latte) gehen demnach als echte Pizzen durch. Die Backzeit: 60–90 Sekunden bei 485 Grad. Und gegessen werden sollte sie am besten doppelt gefaltet.

Streuobst, Rumba und Yoga: das Kulturerbe

Mehr als 500 immaterielle Kulturformen stehen derzeit auf den drei Listen der UNESCO. Dazu gehören die kubanische Rumba, französische Reitkunst, Yoga aus Indien, der Pinisi-Bootsbau aus Indonesien – und aus Deutschland u. a. die Genossenschaftsidee und -praxis sowie der Streuobstanbau.