tegut... Lebensmittel sinnieren über Farben

Wenn abends im tegut… die Lichter ausgehen, wird es still in den Gängen. Dafür umso lebhafter in den Regalen. Endlich können sich die Lebensmittel ungestört unterhalten. Zum Beispiel über Farben und deren tieferen Sinn.

Eingang eines tegut... Marktes
tegut… Markt

Die TOMATE sinniert: Habt ihr euch eigentlich mal gefragt, warum Obst und Gemüse so farbenfroh sind? Warum sind zum Beispiel wir Tomaten so rot?

Das EI: Also, ich bin nur zu Ostern farbenfroh, hehe.

Die TOMATE lässt sich nicht beirren: Ich meine, ich war sogar erst grün und bin dann rot geworden. WARUM?

Ein ERDBEERCHOR stimmt unisono zu: Wir auch! Wir auch! Warum? Warum?

Die AUBERGINE überrascht: Wenn ich so drüber nachdenke: Bei mir ist’s genauso! In meiner Jugend war ich hellgrün und dann war ich plötzlich lila. Meine Güte, das ist mir vorher nie aufgefallen.

In der Obst- und Gemüseabteilung macht sich Irritation breit.

Die ANANAS unterbricht das lauter werdende Gemurmel: Meine Lieben, beruhigt euch. Denn wie der Zufall es will, bin ich nicht nur süß, sondern auch weit gereist. Erst gestern bin ich von einem Wissenschaftstreffen aus Südamerika zurückgekehrt. Ich kann euch also eure Frage gerne beantworten.

Der ERDBEERCHOR: Beantworten! Beantworten!

Die ANANAS doziert: Die meisten Früchte sind zunächst grün, da sie den grünen Farbstoff Chlorophyll enthalten. Während der Reife wird das Chlorophyll abgebaut und andere Farbstoffe werden aufgebaut – vermutlich auch, weil diese Farben anziehend auf Tiere wirken. Die fressen dann die Früchte und verbreiten so die Samen.

Eine ERDBEERE fragt: Gilt das auch für Menschen?

Das EI übernimmt: Na ja, SO würde ich das nicht sagen. Aber ja, auch Menschen mögen lieber Farbenfrohes. Zum Beispiel Oma Hein, die morgen kommt und nur die rötesten von euch für ihren Sonntagskuchen mitnimmt.

Im Erdbeerchor beginnt ein aufgeregtes Vergleichen, welche von ihnen wohl am rötesten ist.

Die TOMATE fragt: Unsere Kundinnen und Kunden wollen uns also umso lieber essen, je farbenfroher wir sind?

Die ANANAS: Genau. Das hat sich die Evolution so ausgedacht.

Die TOMATE ist begeistert: Das bedeutet also … Je älter und reifer wir werden, desto attraktiver werden wir?

Die ANANAS: Äh … Wenn ihr so wollt: ja.

In der Obst- und Gemüseablage bricht Jubel aus.

Nur die AVOCADO scheint etwas resigniert: Also, meine Jugend, die war in Sekundenschnelle vorbei. Den einen Tag noch jung und – zack – am nächsten schon überreif.

Der KNOBLAUCH flirtet die Avocado an: Sieht man gar nicht. Und für eine gute Schüssel Guacamole ist man doch nie zu alt, meine Liebe.

Die AVOCADO kichert geschmeichelt: Hihi, du nun wieder. Das EI meldet sich zurück: Eieiei, das wird mir hier aber zu eitel. Ist es am Ende nicht egal, ob rot, grün, lila, gelb oder gestreift? Kommt es nicht auf die inneren Werte an?

Die KOKOSNUSS: Ich stimme dir voll und ganz zu … obwohl ich innen ja eher hohl bin.

Alle müssen lachen. Und dann herrscht wieder Stille im tegut… Markt.