Kennzeichnung „Ohne Gentechnik“

Das Logo „Ohne Gentechnik“ steht für eine besondere Leistung des Landwirts

Das Thema „Gentechnik“ mit seinen Chancen und Risiken wird nicht nur in Deutschland heiß diskutiert. Während Befürworter in der Gentechnik einen großen Fortschritt für die Medizin und für die Ernährung (u. a. gegen den Hunger in der Welt) sehen, vermuten Kritiker eine Bedrohung der Natur und der ökologischen Ressourcen. So haben sich in der Naturbewusstseinsstudie aus dem Jahr 2015 des BMUB (Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit) 79 Prozent der Befragten dagegen ausgesprochen, dass an Nutztiere gentechnisch veränderte Pflanzen verfüttert werden. 75 Prozent meinen, „der Mensch hat kein Recht, Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern“. 62 Prozent glauben auch nicht, dass die Agro-Gentechnik „ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Welthungers ist“.

Doch was bedeutet „Gentechnik“ überhaupt?

Um es einfach zu sagen, beschäftigt sich die Gentechnik mit Verfahren und Methoden, die direkt in das Erbgut eines Tieres, einer Pflanze oder eines Mikroorganismus eingreifen. Dabei ist das Ziel, dieses Erbgut so zu verändern, dass das Lebewesen maßgeschneiderte Eigenschaften bekommt. Sei es z. B. die Steigerung der Widerstandsfähigkeit einer Pflanze gegenüber Krankheiten oder die Verringerung ihres Düngebedarfs. Das hört sich erst einmal gut an. Doch welche Nachteile die hier angesprochene „grüne Gentechnik“ mit sich bringt und welche weiteren Anwendungsbereiche es für die Gentechnik gibt, erfahren Sie im Folgenden!

Die rote und die weiße Gentechnik

Eine sicherlich sehr wichtige Form der Gentechnik ist die rote Gentechnik. Diese kümmert sich um die Medizin. Mit ihr können z. B. Erbkrankheiten herausgefunden und diese in der Gentherapie behandelt werden. Außerdem hilft sie bei der Herstellung wichtiger Medikamente.

Bei der weißen Gentechnik wird das Erbgut von Mikroorganismen wie Hefen und Bakterien so verändert, dass diese bestimmte Stoffe wie Enzyme, Aromen oder Vitamine produzieren. Diese können dann z. B. in der Lebensmittelherstellung eingesetzt werden, um die Haltbarkeit eines Lebensmittels zu erhöhen, diesem ein bestimmtes Aroma zu verleihen oder seinen Vitaminanteil zu erhöhen.

Sowohl die rote als auch die weiße Gentechnik laufen unter kontrollierten Bedingungen ab, sodass sich die gentechnisch veränderten Organismen nicht frei ausbreiten können.

Die grüne Gentechnik

Die grüne Gentechnik konzentriert sich darauf, Pflanzen mit bestimmten positiven Eigenschaften, z. B. Kälte- und Dürreresistenz, einem erhöhten Nährwert, einem höheren Ertrag etc., heranzuzüchten. Hier werden also gentechnisch veränderte Pflanzen, auch transgene Pflanzen genannt, in der freien Natur angebaut. Das Problem ist allerdings, dass sich der Pollen dieser Pflanzen mit anderen Pflanzen kreuzt und damit unkontrolliert ausbreitet.

Warum spricht sich tegut… derart entschlossen gegen die sogenannte „grüne Gentechnik“ aus?

Wenn es um Gentechnik geht, muss man die Frage nach ihrem sinnvollen Einsatz stellen. Die medizinische Forschung in einem geschlossenen Labor ist ein anderer Sachverhalt als die Gentechnik auf dem freien Feld, die nicht zurückgeholt werden kann. Wer derart in die Entstehung von Leben eingreift, muss die Konsequenzen sehr gut kennen. Genau das ist bei der grünen Gentechnik nicht der Fall, weil es keine Langzeitstudien gibt. Für tegut… als Lebensmittelhändler geht es also auch um den Respekt vor der Natur und um den Aspekt der Nachhaltigkeit, also welche Auswirkungen hat unser Handeln für zukünftige Generationen. Daher gehört tegut… von Anfang an zu den Förderern der Initiative „Ohne Gentechnik“.

Das bundesweite Siegel gibt Orientierung

Seit 2009 gibt es das bundeseinheitliche Siegel für gentechnikfrei produzierte Lebensmittel. Durch dieses Siegel können Sie als Kunden leichter und schneller erkennen, welche besondere Leistung des Landwirts hinter dem Produkt steht. Denn Hersteller, die bei ihrer Produktion die „Ohne-Gentechnik“-Kriterien einhalten, fördern eine nachhaltige Lebensweise. Fehlt das Siegel auf tierischen Produkten wie Fleisch, Milch, Eiern etc., heißt es nicht gleich, dass das Futter der Tiere gentechnisch veränderte Organismen enthalten hat, aber es ist schon sehr wahrscheinlich. Denn, wenn es den Mehrwert „Ohne Gentechnik“ hätte, würde es der Hersteller doch auch für den Verbraucher deutlich sichtbar herausstellen.

Was bedeutet das „Ohne Gentechnik“-Siegel?

Durch das Siegel wird ein höherer Wiedererkennungswert gentechnikfreier Lebensmittel gegeben. Die Angabe „Ohne Gentechnik“ darf nur verwendet werden, wenn das Lebensmittel und die verwendeten Lebensmittelzutaten keine gentechnisch veränderten Organismen (GVOs) sind und auch nicht aus diesen hergestellt wurden.

Die freiwillige Kennzeichnung kann für alle pflanzlichen und tierischen Lebensmittel eingesetzt werden, bei deren Herstellung der Einsatz von Gentechnik generell möglich ist. Da gentechnisch veränderte pflanzliche Lebensmittel immer als solche gekennzeichnet werden müssen, liegt der Fokus aber vor allem auf tierischen Lebensmitteln.

Das Problem bei tierischen Lebensmitteln ist nämlich, dass Sie als Verbraucher nicht wissen, ob die Tiere, die Ihnen Fleisch, Eier oder Milch liefern, mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden. Zwar muss das Futtermittel an sich immer als gentechnisch verändert gekennzeichnet sein, die tierischen Erzeugnisse allerdings nicht. Durch eine „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung haben Sie die Gewissheit, dass auch das Tierfutter gentechnikfrei war. Dabei muss die gentechnikfreie Fütterung über einen festgelegten Mindestzeitraum erfolgen.

In Ihrem tegut… Markt gilt „Ohne Gentechnik“ für

  • das gesamte tegut… LandPrimus Programm (Fleisch vom Schwein, Rind und Huhn)
  • tegut… Eigenmarkenprodukte (z. B. Milch, Schmand, Quark, Joghurt, saure Sahne, Tiefkühl-Geflügel)
  • tegut… Nektare und Säfte
  • tegut… Naturell
  • alle Produkte der tegut… Eiernudeln
  • das komplette tegut… Frisch-Ei-Sortiment

Bio-Produkte sind generell frei von Gentechnik

Bei Bio-Lebensmitteln gehört es zu den Basisanforderungen der EG-Öko-Verordnung, auf gentechnisch veränderte Organismen zu verzichten. Deshalb ist das gesamte Bio-Sortiment natürlich ebenfalls gentechnikfrei.

Was veranlasst tegut… noch dazu, „Nein“ zur grünen Gentechnik zu sagen?

Die Landwirtschaft muss in ihrer Selbstbestimmung verbleiben. Sie darf nicht von Konzernen abhängig werden, wie es bei der grünen Gentechnik der Fall ist. tegut... setzt auf kleine und mittelständische Strukturen und auf die traditionelle Landwirtschaft, die mit Fruchtfolgen und standortangepasstem Saatgut den Schädlings- und Krankheitsdruck minimiert und damit zur Bodenerholung beiträgt. tegut… unterstützt seit Jahren Projekte, die sich für die Züchtung von Pflanzen im Einklang mit der Natur (u. a. samenfeste Sorten) einsetzen. Da beginnt der Vorteil bereits beim Saatgut, das in der Lage ist, sich aus eigener Kraft heraus zu vermehren. So etwas ist bei der grünen Gentechnik per Konzept nicht erwünscht. Hier ist das Ziel, dass der Landwirt für jede Aussaat das Saatgut neu einkaufen muss.

Was können Sie selbst tun, um eine Landwirtschaft „Ohne Gentechnik“ zu fördern?

Sie können durch den Kauf von Produkten „Ohne Gentechnik“ dazu beitragen, dass die Nachfrage steigt und somit verstärkt gentechnikfreie Pflanzen angebaut werden. Wenn diese Bewegung eine gewisse Größe erreicht, werden auch die Kosten für die Kontrolle gering bleiben. Wer Produkte mit dem Logo „Ohne Gentechnik“ kauft, bezieht Position – für eine traditionelle Landwirtschaft und für den praktischen Umweltschutz. Insofern kommt das Logo allen Beteiligten zugute – dem Kunden, der auf eine besondere Qualität seiner Lebensmittel vertrauen kann, und der klein strukturierten Landwirtschaft, die auch in Zukunft eine Chance hat und ihre Selbstbestimmung behält.

close
Diese Seite teilen