Alkoholverzicht - das bewirkt Leben ohne Alkohol

Ein Prosit auf Null Prozent!

Bewusster Alkoholkonsum liegt voll im Trend, gerade zu Beginn des Jahres. Der zeitweilige Verzicht auf Alkohol kann viel bewirken.

Mann schenkt Sektglas voll
Foto: Stocksy

Es war wohl noch nie so leicht, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, wie in diesem Jahr. Zumindest, wenn es darum geht, weniger oder eine Zeit lang auf Alkohol zu verzichten. Schließlich gibt es mittlerweile mehr qualitativ hochwertige Spirituosen, Weine und Cocktails ohne Promille als jemals zuvor.

700 alkoholfreie Biersorten in Deutschland

Besonders in Deutschland boomen die Alternativen zu Alkohol. In der Vergangenheit haftete Alkoholverzicht hartnäckig das Etikett „langweilig“ oder „unsexy“ an – schließlich blieb nur die Wahl zwischen Wasser, Säften und den üblichen Softdrinks. Heute dagegen gibt es hierzulande allein 700 alkoholfreie Biersorten, immer mehr „umdrehungsfreien“ Wein, Sekt und Null-Promille-Varianten von Klassikern wie Gin, Whisky oder Rum.

Ebenfalls im Trend: Mocktails, also Mixgetränke, die genauso lecker und raffiniert schmecken wie Cocktails, aber keinen Alkohol enthalten. Selbst Bacardi, einer der weltweit größten Spirituosenhersteller, nimmt den Hype so ernst, dass er unter dem Namen seiner Marke Martini zwei alkoholfreie Aperitifs ins Programm nehmen ließ. In seinem „Cocktail-Trend-Report“ prognostizierte der Schnapsgigant, dass der Umsatz von alkoholfreien oder -armen Getränken sich in Westeuropa bis 2024 verfünffachen werde.

Leben ohne Alkohol 

Wer sich in hippen Berliner Vierteln umschaut, kann besichtigen, wie Trendsetter und Start-ups in der Hauptstadt schon jetzt auf promillefreien Trinkgenuss setzen. In Kreuzberg eröffnete mit dem „Null Prozent Späti“ Deutschlands erster alkoholfreier Kiosk. Im Angebot sind Null-Promille- Biere, Limonaden, Luxussäfte, entalkoholisierte Weine, Cidre und pflanzliche Destillate.

Ein ähnliches Sortiment führt der „Mindful Drinking Club“, ein „Laden und Showroom für bewusste Trinkkultur“ in Prenzlauer Berg. Ein paar Kilometer weiter im Partyviertel Friedrichshain liegt das „Zeroliq“, die bundesweit erste Bar ohne Alkohol. Vorbild sind berühmte Null-Promille-Bars in London, Dublin oder New York.

Ebenso international ist seit einigen Jahren der generelle Trend weg vom Alkohol und hin zu gezieltem Genuss und hochwertigen Zutaten. „Sober curious“, also nüchtern-neugierig lautet einer der Begriffe, unter dem vor allem junge Menschen Alkohol aus ihrem Alltag verbannen. Dabei geht es nicht in erster Linie um Verzicht und spartanische Strenge, sondern vor allem um bewussten Genuss und Spaßhaben ohne Alkohol.

Zwei Paare stoßen mit Gläsern an
Foto: iStock

Internethype „Dry January“

Auch der zeitweise Verzicht auf Promillehaltiges wird immer beliebter. Die Schlagwörter „Sober October“ oder „Dry January“ sind in den sozialen Netzwerken allgegenwärtig. Sucht man bei Google nach dem trockenen Januar, zeigt die Suchmaschine mehr als eine halbe Milliarde Treffer an.

Das riesige Interesse gerade nach dem Jahreswechsel dürfte zum einen an den guten Vorsätzen liegen, zum anderen am kalorien- und oftmals promillehaltigen Dezember mit seinen Festtagen und der Silvesternacht. Die Frage, was ein Monat Alkoholverzicht dem Körper bringt, ist inzwischen gut belegt. So ermittelten Wissenschaftler der University of Sussex anhand der Daten von 800 Personen, wie die freiwillige Prohibition wirkt. Die Ergebnisse: 71 Prozent der Probandinnen und Probanden berichteten, ihre Gesundheit habe sich generell verbessert.

Alkoholfreie Alternativen werden immer beliebter 

So verwundert es wenig, dass alkoholfreie Alternativen wie Mocktails aus hochwertigen Zutaten oder Null-Promille- Spirituosen in der Beliebtheit immer weiter steigen. „Undone“, ein erst 2019 gegründetes Hamburger Unternehmen, verkauft seinen Gin, Rum und Wermut ohne Alkohol inzwischen in 15 Länder. Und tritt entsprechend selbstbewusst auf. Die Mission: den weltweiten Alkoholkonsum innerhalb von fünf Jahren „maßgeblich senken“ und „jedes fünfte alkoholische Getränk vom Alkohol befreien“.

Rezept: Eistee mit Minze und Melisse

Drei Gläser mit rotem Getränk und Minze
Foto: tegut... Kochwerkstatt

Zutaten für 8 Gläser (à ca. 300 ml)

  • 4 Beutel Rotbuschtee
  • 3 Stängel Minze
  • 4 Stängel Zitronenmelisse
  • 50 ml Beerensirup
  • 300 ml Schwarze- Johannisbeer-Nektar
  • 300 g Eiswürfel
  • 1 l Mineralwasser (still oder medium, gut gekühlt)

Rotbuschtee mit 1 l kochendem Wasser überbrühen, ca. 8 Min. ziehen lassen. Teebeutel entfernen, Tee abkühlen lassen.

Minze und Zitronenmelisse waschen, trocken schütteln, je 1 Stängel zum Tee geben und im Kühlschrank ca. 120 Min. kühl stellen. 2 Beerensirup, Johannisbeernektar, Eiswürfel und übrige Kräuter dazugeben, gut umrühren. Eistee mit Mineralwasser auffüllen und servieren.

Zubereitungszeit ca. 15 Min.
Ziehzeit ca. 8 Min.
Kühlzeit ca. 120 Min.

Das bringt Alkoholfasten nach 2, 4, 8 Wochen

Wie viel Alkoholkonsum gilt aus Ihrer Sicht als unbedenklich? 
Michaela Goecke: „Es gibt keinen unbedenklichen Alkoholkonsum. Alkohol ist ein Zellgift und kann grundsätzlich jedes Organ im Körper schädigen. Deshalb gilt: Je weniger Alkohol getrunken wird, desto besser für die Gesundheit. Es gibt aber definierte Maximalmengen für einen sogenannten risikoarmen Alkoholkonsum. Sie gelten für gesunde Erwachsene und unterscheiden sich für Männer und Frauen. Männer sollten demnach nicht mehr als zwei kleine Gläser Bier oder Wein, Frauen nicht mehr als ein kleines Glas Bier oder Wein pro Tag trinken. An mindestens zwei Tagen pro Woche sollte kein Alkohol getrunken werden.“

Frau mit kurzen blonden Haaren und schwarzer Brille
Michaela Goecke ist Abteilungsleiterin Suchtprävention der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) | Foto: BZgA (1)

Wie schädigt Alkohol den Körper?
Michaela Goecke: „Das Zellgift Alkohol verteilt sich über den Blutkreislauf im gesamten Organismus. Mehr als 200 Krankheiten stehen mit erhöhtem Alkoholkonsum in Zusammenhang. Alkohol schadet nicht nur dem Körper: Als psychoaktive Substanz kann hoher, regelmäßiger Alkoholkonsum schleichend zur Sucht werden.“

Was bringt Alkoholfasten Körper und Seele?
Michaela Goecke: „Mit dem Alkoholfasten tut man Körper und Seele etwas sehr Gutes, insbesondere wenn man regelmäßig und vielleicht auch mal größere Mengen Alkohol trinkt. Alkoholfasten bedeutet für die Leber, dass sie sich nicht mehr mit dem Abbau des Zellgifts Alkohol beschäftigen muss. Das ist wichtig, denn bei einem mehrwöchigen Verzicht auf Alkohol kann sich die Leber wieder regenerieren. Insgesamt bringt das Alkoholfasten eine Verbesserung des Wohlbefindens, der Fitness und Leistungsfähigkeit und der Schlaf wird besser und tiefer.“

Was passiert nach 2, 4 oder 8 Wochen ohne Alkohol im Körper?
Michaela Goecke: „Mögliche positive Effekte des Alkoholfastens können allgemein benannt werden, sind aber im Einzelfall unterschiedlich: Nach zwei Wochen Alkoholfasten spüren viele, dass sie besser schlafen und vielleicht etwas abnehmen, denn Alkohol hat viele Kalorien. Sie fühlen sich leistungsfähiger und weniger gestresst. Das Immunsystem kann bereits gestärkt sein. Nach vier Wochen ohne Alkohol kann der Blutdruck sinken, das Hautbild sich verbessern und die Lebensenergie zunehmen. Nach sechs bis acht Wochen können sich Blutwerte verbessert haben und die Leber regeneriert sich langsam. Das kann sogar auf eine alkoholbedingte Fettleber zutreffen. Auch das psychische Gleichgewicht kann sich weiter stabilisieren. Und je länger man alkoholfrei ist, umso geringer wird das Bedürfnis, Alkohol zu trinken.“

Von Bruntje Thielke